Geleitwort

 

Verehrte Sportfreunde,

in meiner Eigenschaft als Eigentümer der Selbstverteidigungssportschule in Oberlahr und als Vorsitzender des "LTC" mochte ich nachstehend für den Karatesport eine Lanze brechen, um die leider immer noch in weiten Bevölkerungskreisen vorherrschende falsche Meinung über diesen Sport, er sei zu hart, zu wild, zu sehr leistungsbezogen, abzubauen. Ich möchte hierdurch diesen vorteilhaften Sport allen Bürgern, ob weiblich oder männlich, ob alt ob jung, näher bringen.

Die Schuld an der negativen Einstellung vieler Menschen zum Karatesport liegt meiner Meinung nach in der in jüngster Zeit vollzogenen Umwandlung des traditionellen Karate = Nullkontakt in Halb- und Vollkontakt-Karate. Diese neue Art im Karatesport, wo bei Vollkontakt-Karate, bei der ein Karateka versehen mit einer Schutzausrüstung, aussehend wie ein Raumfahrer, kämpft, um den Gegner möglichst durch ein K.O. zu besiegen, hat wenig mit dem traditionellen Karatesport gemein.  Hier wurde aus der eigentlichen Selbstverteidigungs- und Abwehrsportart ein Angriffssport konzipiert. Daraus schließen viele Bürger, dass der gesamte Karatesport nur aus hartem Kampf besteht. Dem ist nicht so! Selbstverständlich wird auch bei uns der Freikampf geübt, aber nur mit Nullkontakt (ohne gefährdende Berührung des Partners). Er dient der Vorbereitung bzw. dem gewappnet Sein für den Ernstfall. Nur das traditionelle Karate = Verteidigung mit leeren Händen (Nullkontakt), ist das Karate, welches die Voraussetzungen für den echten Karateka schafft, nämlich die Möglichkeit der vollkommenen Beherrschung und Kontrolle von Körper und Geist.

Hierdurch erlangt der Karatesportler die Festigung seines Charakters in positivem Sinne und nur so wird er das immer wieder genannte "Do” gleich Weg und Ziel für sich gewinnen. Das alles dauert zwar seine Zeit, und viel Geduld und Ausdauer sind hierfür unumgänglich, aber es lohnt sich. Mit der Beherrschung aller Techniken fängt das eigentliche Karate erst an. Erst jetzt ist der Geist frei. Die unbewusste Sicherheit der Körperbeherrschung führt zu geistiger, seelischer Ausgeglichenheit. Wer das ernst nimmt, dem bietet Karate nicht nur die Mittel, sich im Ernstfall erfolgreich verteidigen zu können, sondern es zeigt dem Sportler den Weg zur körperlichen und geistigen Meisterung des eigenen "Ich".

Wer diesen Sport anders sieht, wer beispielsweise nur den Sieg über seine Mitmenschen will, Wettkämpfe ausgenommen, oder wer nur Gürtelpracht erobern will, der hat den Sinn dieser Sportart nicht erkannt. Es gibt nur einen lobenswerten Sieg eines Karatekas, und das ist der Sieg über sich selbst.

Unauffälligkeit, Bescheidenheit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Anstand und Ehrlichkeit sind die Eigenschaften des Karateka. Sie sind sein Vermögen auf das er stolz sein kann. Für Intrigen,.Neid, Hass, Streitereien und Schlägertum ist im Karatesport kein Platz. Spätestens jetzt müsste jedem Außenstehenden klar werden, dass allein bedingt durch diese geschätzten, menschlichen Werte, die unlöslich mit unserem Sport verbunden sind, Karate mit Wildheit und Rowdytum gemeinhin nichts zu tun haben kann.

Wer sich die aufgeführten lobenswerten Verhaltensweisen zu eigen machen will, wer sich zudem bis ins hohe Alter hinein fit halten möchte und wer sich schließlich dazu die hohe Kunst der Selbstverteidigung für den evtl. Ernstfall erarbeiten möchte, der komme zu uns.

 

Herzlichst,

Rainer Stadtfeld